Hirne sind zum Brauchen da

 

Seit neuestem ist aus unserer

Armee der Wehrpflichtigen

ein Freiwilligenverein geworden.

Die Austrittsquote nach

sechs Monaten – bei den Wenigen,

die sich überhaupt gemeldet haben –

liegt bei zwanzig Prozent.

 

Die Gründe liegen auf der Hand:

Bessere und besser bezahlte

Jobangebote, mangelnde Privatsphäre,

Frauen, Frust, cholerisch schreiende

Vorgesetzte und notorische Gängelung.

 

»Das kann uns natürlich

nicht zufrieden stellen«,

sagt der Verteidigungsminister,

der sich vor den Mikrophonen

der Reporter aufgebaut hat.

»Da müssen wir dringend nachbessern.«

 

Ich weiß, ehrlich gesagt, gar nicht

wo sein Problem liegt –

einfach ein paar neue Drohnen

und Transportmaschinen bestellen,

vielleicht noch vierzig Abfangjäger,

die kein Mensch braucht,

deren Anschaffungskosten weit

über den Verteidigungshaushalt

hinausgehen, und am Ende

die fehlende Kohle dem Kultusminister

vom Bildungsetat abschwatzen.

 

Solltest mal sehen, wie sie dann

den Kasernen die Tore

einrennen.

 

 

 

 

 

Bild: Studio Seikel, Hanau
Bild: Studio Seikel, Hanau

Ein Gedicht ist ...

einen Augenblick

mit der größtmöglichen

Intensität zu durchleben,

um ihn dann loszulassen

und weiterzugeh'n ...