Servus und Shalom und überhaupt!

Nach zwei Jahren Babypause tut sich also mal wieder was.

Dünnebacke goes Ruhrpott. Wahrlich der passende Ort um aus der behaglichen Tiefe der familiären Intimität wieder aufzusteigen, mal zu gucken wie das Wetter, ach nee, inzwischen sagt man wohl Klima, also wie das Klima außerhalb des Orbits meines krabbelnden Gestirns so gediehen ist.

Jedenfalls, die BASTION BOCHUM feiert ihr Fünfzehnjähriges und der Dünnebacke tut mit. That's nice!

-----------------------------------------------------------------------------------------------------

LaborBefund #9 - Autorenheft "Arnd Dünnebacke :

In Form gegossen"
ist am 13. November erschienen. Bestellungen zum Preis von 3 € (zzgl. 1 € Versand) hier über das Kontaktformular oder beim LaborBefund.

 

 

 

"… UND AUS DEM ARSCH EIN REGENBOGEN" – Zur Lyrik Arnd Dünnebackes

Die Hoffnung, worauf auch immer, ist das, was zuletzt runtergespült wird. "Das Einzige was mich / in solchen Momenten noch erhebt / ist die vage Hoffnung, eines Tages / endgültig den Verstand / zu verlieren", schreibt Arnd Dünnebacke angesichts des Wahnsinns, den man Normalität nennt. "Vorher zu sterben", d.h. bevor einen der politisch korrekte Alltagsterror mundtot und unmündig gemacht hat, "ist manchmal nicht das Schlechteste."

"An manchen Tagen weißt du einfach, / dass es nichts bringt - aufstehen, / Zähne putzen, Kaffee kochen, / so tun als sei die Welt eine Kugel, / von der niemand runterfällt." Denn irgendwann spürt man die blauen Flecken vom Runterfallen zu deutlich, als dass man sie noch ignorieren kann. Hartz IV, Stromrechnungen, Schulden, Mahnungen, miese Jobs und an jeder Ecke Pharisäer mit ihren scheinheiligen Versprechungen von Glück und uniformierter Pseudo-Individualität.

(...)

 
"So fürchte dich nie / einen Stein in die Hand / zu nehmen, der vielleicht / deine Grenzen sprengt. // Denn dafür bist du hier", rät Dünnebacke all jenen, die da in den Glashäusern der Republik sitzen und denen die Angst vor dem Leben schon den Atem abschnürt, noch ehe sie offiziell den Löffel abgeben oder das Konto schließen müssen.

"Gestorben zu sein, / während Herz- und Kau- / und Schließmuskeln / immer weiter arbeiten, /  erfüllt mich mit nackter Panik."

Damit steht Arnd Dünnebacke nicht allein, auch und weil er es als einer der wenigen ernstzunehmenden Poeten schafft, die Irritationen und den Wahnsinn eines verrückt gewordenen Zeitgeistes poetisch zu artikulieren und in Form zu gießen.

 
Ní Gudix, November 2013 (Auszug aus dem Klappentext)

Bild: Studio Seikel, Hanau
Bild: Studio Seikel, Hanau

Ein Gedicht ist ...

einen Augenblick

mit der größtmöglichen

Intensität zu durchleben,

um ihn dann loszulassen

und weiterzugeh'n ...